In vielen Gemeinde des Münsterlandes weht
ein scharfer Wind zwischen WindkraftbefürworterInnen und
WindkkraftgegnerInnen. Und das hat auch seine gute Seiten, denn bei der
Windkraftdiskussion ist Bürgerbeteiligung vorgesehen und gesetzlich
festgelegt (was bei Autobahn- und anderen Straßenbauprojekten anders
aussieht).
Der Tenor der Befürworter von
Windkraftanlagen liegt im Wesentlichen bei den Argumenten Ressourcenschonung
von fossilen Energieträgern und die damit einhergehende Reduzierung von
klimaschädlichen Emissionen.
Die Vertreter der Gegenposition sehen in den
Windkraftanlagen eine Verschandlung der Kulturlandschaft, sehen den
Naturhaushalt gefährdet und bestreiten den ökonomischen
Nutzen.
Damit der scharfe Wind nicht (noch mehr)
verletzt, halten wir es für wichtig zur Versachlichung der Diskussion
beizutragen. Dies ist zu erreichen, wenn man danach fragt:
Wo sind wir uns einig und welche Fakten
stehen fest?
Fossile Energieträger (Erdöl, Erdgas,
Kohle) sind nur in begrenzten Mengen vorhanden.
Die Verwendung fossiler Energieträger
beeinträchtigt durch den CO2-Ausstoß nachhaltig das Weltklima.
Kraftwerke produzieren Altlasten, insbesondere
die Atomenergie, für deren radioaktiven Abfälle es nach wie vor keine
sichere Endlagerung gibt.
Windkraftanlagen sind am Ende der Betriebszeit
einfach abzuschrauben und zu recyceln.
Der Begriff Verspargelung
fördert die Vorstellung, dass Tausende von Anlagen das Landschaftsbild
verunzieren das kann keiner wollen.
Bundesweit gibt es zur Zeit ca. 10.000
Windkraftanlagen; bis zum Jahre 2020 könnte man mit nur insgesamt 25.000
modernen Windkraftanlagen rund 20% der Elektrizität erzeugen (es gibt
übrigens in der BRD ca. 180.000 Strommasten).
Das Subventionsproblem: Atomstrom wurde bis 1995
mit ca. 40 Mrd. DM plus 40 Mrd. DM überhöhte Rückstellungen
subventioniert, die Kohleverstromung wurde bis 1995 mit über 100 Mrd. DM
plus 69 Mrd. DM bis 2005 subventioniert. Demgegenüber flossen an die
Windenergie bis 1995 nur ca. 0,6 Mrd. DM.
Obgleich die Mehrheit der Bevölkerung in
Deutschland die Windkraft befürwortet, reagieren viele BürgerInnen
bei der Errichtung einer Windkraftanlage mit: Aber bei mir nicht!
Eine nachhaltige Energiewirtschaft kann nur
auf einer breiten und vielfältigen Basis erneuerbarer Energiequellen
angelegt sein. s. Szenario.
Quelle:
Bundesverband WindEnergie e.V.
Niemand will mit Windkraft allein die Energieprobleme
lösen. Die größte Energiequelle ist nach wie vor
das Einsparen von Energie z.B. durch bessere Wärmedämmung,
Erneuerung und Optimierung von Heizanlagen, Haushaltsgeräten usw.
Nur eine intelligente Mischung aus erneuerbaren,
unerschöpflichen Energien kann die Zukunft sein.
Als Energiewende Coesfeld e.V. befürworten
wir die Nutzung und den weiteren Ausbau der Windenergie im Rahmen eines
nachhaltigen und vielfältigen Energiekonzepts im Konsens mit der
Bevölkerung.
Zu den strittigen Fragen der Windenergie
sollen nachfolgende Fakten Antwort geben helfen.
Diskoeffekt
Der Diskoeffekt spielt bei neuen Anlagen keine
Rolle mehr. Die Flügel sind mattiert und reflektieren das Sonnenlicht
nicht, sondern diffundieren dies.
Arbeitsplätze
Die Windenergie beschäftigt schon
heute mehr als 35.000 Menschen. Und es werden täglich mehr. Nach
Schätzung de Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau sind in
Kürze mit weiteren 100.000 Arbeitsplätzen zu rechnen.
Lärm/Infraschall
In der technischen Anleitung zum Schutz vor
Lärm (TA-Lärm) sind konkrete Vorgaben für Geräuschpegel
festgelegt. Jede Windanlage muss diese einhalten. Sonst gibt es keine
Baugenehmigung. Die modernen Windanlagen werden immer geräuschärmer.
Eine Gesundheitsgefährdung geht nach Untersuchungen des
Bundesgesundheitsamtes von Windanlagen nicht aus, zudem wird an der technischen
Weiterentwicklung der Anlagen gearbeitet.
Klimaschutz
Hauptverantwortlich für den
Treibhauseffekt ist das Gas CO2, das bei der fossilen Energieerzeugung
anfällt. Schon im Jahr 2005 werden über fünf Prozent CO2 durch
die Ausweitung der Windenergie eingespart. Langfristig können es über
50 Prozent werden.
Schattenwurf
Theoretisch kann eine Windanlage absolut 30
Stunden im Jahr Schatten werfen - wobei stets Sonnenschein, eine
ungünstige Windrichtung und drehende Rotoren vorausgesetzt werden.
Faktisch - d.h. unter unseren normalen Wetterbedingungen - sind es nur sechs
Stunden. Auch der Betrieb der Anlage hat Auswirkungen auf den Schattenwurf. Bei
neuen Anlagen kann deshalb eine Schaltung eingebaut werden, die in bestimmten
Situationen den Rotor kurzzeitig anhält. Bei Grenzfällen muss der
Betreiber im Baugenehmigungsverfahren mit einem Gutachten nachweisen, dass kein
unzulässiger Schattenwurf auftritt.
Landschaft und
Flächenbedarf
Beim Braunkohleprojekt Garzweiler II
werden 48 Quadratkilometer in 40 Jahren ca. 30 Mrd. kWh/Jahr erbringen, die
gleiche Fläche mit dezentralen Windkraftfundamenten erbrächte mit 288
Mrd. kWh/ Jahr fast die zehnfache Windstrommenge für mehrere Generationen.
Tourismus
Bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass
auch Touristen die modernen Windkraftanlagen eher positiv bewerten und es
keinen Zusammenhang zwischen dem Touristenaufkommen und der Anzahl von
Windanlagen vor Ort gibt. Zum Beispiel das Tourismusland Dänemark: Dort
soll bis 2030 die Hälfte des Stroms aus Windkraft produziert werden, schon
jetzt ist die Windindustrie Dänemarks drittgrößte
Exportbranche.
Akzeptanz
Die Mehrheit der BürgerInnen (>
80%) ist für die Windkraft, die ökologischen Vorzüge der
Windkraft werden hervorgehoben von: dem Deutschen Bauernverband, den Kirchen
und Gewerkschaften, Verbänden wie NABU, BUND, WWF, Greenpeace.
Leistung
Eine moderne 1500-kW-Anlage versorgt ca. 1500
Haushalte. Vorstellbar wären so viele Windkraftanlagen, wie zur Deckung
des Strombedarfs von ländlichen Kom-munen nötig sind.
Vogelschutz und
Tierwelt
Wissenschaftlich fundierte Studien
belegen, dass der "Vogelschlag" an Windrädern unerheblich ist. Eine
Umfrage unter niedersächsischen Jägern ergab, dass die Windanlagen
nicht als gravierende Störquelle für das heimische Niederwild
angesehen wird. Überdies tritt bei vielen Tierarten auch eine
Gewöhnung an die Windanlagen ein.
Hoch subventioniert?
Die Steinkohle und Atomkraft wurden und werden
über Jahrzehnte mit insgesamt mehr als 150 Milliarden DM staatlich
unterstützt. Die Förderung der erneuerbaren Energien durch die
Einspeisevergütung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nehmen sich
demgegenüber geradezu bescheiden aus (derzeit z.B. 0,178 DM je kWh
Windkraftstrom; degressiv). Das REN-Programm der Landesregierung fördert
keine Windkraftanlagen mehr, da sich diese heute Kosten deckend betreiben
lassen. Die Windkraft-Branche ist eine der wenigen, in welcher in jüngster
Zeit neue und zukunftssichere Arbeitsplätze (etwa 30.000) geschaffen
wurden. In Dänemark ist die Windenergieindustrie die
drittgrößte Exportbranche. Experten rechnen damit, dass durch das
EEG weitere 100.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Folgekosten der
konventionellen Energieerzeugung (Umweltverschmutzung, Endlager,
zukünftige Ausgleichsmaßnahmen Bergbau bedingter Eingriffe, etc.)
werden zum größten Teil auf die Allgemeinheit abgewälzt und
tauchen in keiner volkswirtschaftlichen Bilanz auf. Die Preise für
konventionell erzeugten Strom spiegeln diese ökologische Wahrheit nicht
wider. Ansonsten wäre der Ökostrom schon längst auch ohne
Unterstützung konkurrenzfähig.
Zum Schluss
Windkraftanlagenbetreiber müssen
keine besseren Menschen sein. Wer unser Wirtschaftssystem nicht grundlegend in
Frage stellt, der muss eine Kapitalanlage, die Ressourcen schont, der Umwelt
nützt und im Einklang mit den sozialen Belangen realisiert wird, für
legitim halten. Die frühzeitige Einbindung der Nachbarn einer
Windkraftanlage oder eines Windparks sollte heutzutage eine
Selbstverständlichkeit sein. Daneben setzen sich zunehmend die sogenannten
Bürgerwindparks durch: Gemeinsam mit Planungsgesellschaften
realisieren die BewohnerInnen oder Landwirte einer Kommune ihr eigenes
Windkraftprojekt. Die Akzeptanz solcher Vorhaben ist wegen der
persönlichen Identifikation hoch, der Gewinn verbleibt vor Ort. Landwirte
schaffen sich so ein zusätzliches ökonomisches Standbein (der
Landwirt als Energiewirt).